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Wochenbettdepressionen – kleine Schatten nach der Geburt

Das große Glücksgefühl mit der Geburt des Babys wird nur wenig später von einem Stimmungstief (auch „Heultage“ oder Baby Blues genannt) abgelöst.

 

Schuld daran sind hormonelle Veränderungen, die nicht nur körperliche Umstellungen bewirken, sondern auch Einfluss auf den Gefühlszustand der  Mutter nehmen. Plötzlich fühlen Sie sich antriebslos und müde, sind gereizt, weinen und haben Ängste, die neue Situation nicht zu packen. Auch Schlaf- und Ruhelosigkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten sind Symptome der Wochenbettdepression. Keine Sorgen, in der Regel verschwindet dieses Gefühlschaos binnen weniger Tage.

 

Postpartale Depression

Sollten die Stimmungsschwankungen aber nach 14 Tagen noch nicht abgeklungen sein, könnte sich daraus eine postpartale Depression entwickeln. Ungefähr 10 – 20 % der Mütter sind davon betroffen. Es kann vorkommen, dass eine Mutter keine liebevolle Beziehung zu ihrem Kind aufbauen kann. Das eigene Kind wird als fremd empfunden und nur noch aus Pflichtgefühl versorgt. Auch Panikattaken sind ein weiters Symptom für die postpartale Depression. Beispielsweise leiden Frauen plötzlich unter Angstzuständen schon allein beim Gedanken, wie sie reagieren sollen, wenn das Kind anfängt zu schreihen. So kreisen manche Gedanken im Kopf, das Kind weggeben zu wollen. Gleichzeitig leiden die Frauen unter Schuldgefühlen dem Baby und dem Partner gegenüber, weil sie ihre Rolle als Mutter nicht gerecht werden können. Diesem Teufelskreis zu entfliehen ist für die betroffenen Frauen schwer, da sie sich niemanden anvertrauen wollen. Die Angst als „Rabenmutter“ und schlechte Ehefrau abgestempelt zu werden, ist viel zu groß.

Weitere Symptome für die postpartale Depression können sein:

  • Antriebslosigkeit
  • Unruhe
  • Müdigkeit
  • starke Traurigkeit, Weinen
  • extreme Reizbarkeit
  • Minderwertigkeits- und Schuldgefühle
  • Appetitverlust und dadurch bedingte Gewichtsabnahme
  • Suizidgedanken

In Fachkreisen ist man sich einig darüber, dass nur hormonelle Veränderungen noch keine postpartale Depression auslösen können. Vielmehr bedingen mehrere Faktoren diesen Gefühlszustand. Ein psychisches Ungleichgewicht, wie häufigeres Auftreten von Stimmungsschwankungen, Depressionen oder emotionale einschneidende Erlebnissen vor der Schwangerschaft können eine postpartale Depression begünstigen. Auch soziale Aspekte können eine postpartale Depression auslösen, beispielsweise wenn die finanzielle Absicherung fehlt oder der Vater sich distanziert und die Frau allein auf sich gestellt ist.

 

Postpartale Psychose

Die postpartale Psychose kommt in sehr seltenen Fällen vor, ist aber die schwerste Form der nachgeburtlichen Krise. Sie kann direkt nach der Entbindung entstehen oder sich aus einer Depression entwicklen. Zu unterscheiden sind drei verschiedene Störungen, die ich aber auch gleichzeitig auftreten können:

  • Depression: schwere Angstzustände, Antriebes- und Bewegungslosigkeit, Desinteresse
  • Manie: starke körperliche Aktivität (Antriebssteigerung) und motorische Unruhe, verringertes Schlafbedürfnis, Verworrenheit, Störung der Urteilsfähigkeit
  • Schizophrenie: Eintretender Realitätsverlust, bedingt durch Halluzinationen und Wahnvorstellungen

Halten Depressionen nach der Geburt dauerhaft an, sollten Sie sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine medikamentöse und psychische Therapie kann bei mittelschweren Depressionen fast immer helfen. Es ist ratsam, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen gibt Halt, Verständnis und Selbstvertrauen.

Liegt eine postpartale Psychose vor, ist eine Behandlung in einer Klinik sinnvoll.

 

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