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Mittwoch, 23. Juli 2008

Müde und lustlos: Was tun bei niedrigem Blutdruck?

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Sie sind oft müde und schlapp, haben kalte Hände und kommen nicht richtig in die Gänge. Menschen mit niedrigem Blutdruck können einen hohen Leidensdruck haben, berichtet die Deutsche Herzstiftung in Frankfurt.

Ist der Blutdruck zu niedrig, sollte ein Arzt abklären, ob eine organische Erkrankung vorliegt. (Bild: DAK/Wigger/dpa/tmn)

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Sie sind oft müde und schlapp, haben kalte Hände und kommen nicht richtig in die Gänge. Menschen mit niedrigem Blutdruck können einen hohen Leidensdruck haben, berichtet die Deutsche Herzstiftung in Frankfurt.

Die Beschwerden bei der sogenannten Hypotonie reichen von Lustlosigkeit, Übelkeit und Konzentrationsstörungen bis hin zu Schwindel und Bewusstlosigkeit. In der internationalen Wissenschaft allerdings werde die Störung «sehr verniedlicht» und stiefmütterlich behandelt, kritisiert Wolfgang Grebe, Internist und Sportmediziner im nordhessischen Frankenberg. Im Englischen nennt man zu niedrigen Blutdruck spöttisch «German Disease», deutsche Krankheit. «Diese Krankheit gibt es nur in Deutschland, in amerikanischen und englischen Lehrbüchern wird sie nicht erwähnt», sagt Prof. Dieter Klaus, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung.

Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO hat eine Frau zu niedrigen Blutdruck, wenn der obere Wert unter 100 Millimeter Quecksilbersäule liegt, bei Männern unter 110. Ob es bei diesen Messwerten aber auch zu Beschwerden kommt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Zum Vergleich: Bei 120 zu 80 spricht man von einem normalen Blutdruck, bei 140 zu 90 von einem hohen Blutdruck (Hypertonie). Während Bluthochdruck das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht, sinkt bei niedrigem Blutdruck die Wahrscheinlichkeit von anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Rund zwei bis vier Prozent der Bevölkerung leiden der Herzstiftung zufolge an zu niedrigem Blutdruck. Das kann die Folge einer organischen Erkrankung sein - etwa einer Unterfunktion der Schilddrüse, einer Blutarmut oder einer schweren Herzschwäche. «Bei Patienten mit niedrigem Blutdruck muss der Arzt daher zunächst die organischen Hintergründe abklären», erklärt Ingolf Dürr vom Deutschen Grünen Kreuz in Marburg.

Bei einer weiteren Form der Hypotonie versackt das Blut beim raschen Aufsetzen oder Aufstehen in den Beinen. «Wir Menschen waren es 30 000, 40 000 Jahre gewohnt, auf allen Vieren zu gehen - und als wir uns aufgerichtet haben, mussten wir unseren gesamten Kreislauf umstellen», sagt Prof. Andreas Schuchert, Herzspezialist im schleswig-holsteinischen Neumünster. Bei bestimmten Erkrankungen bleibe das Blut in der unteren Körperpartie, im Kopf komme kaum noch etwas an. «Man hat festgestellt, dass das Gehirn bei Menschen mit niedrigem Blutdruck etwas schlechter durchblutet ist», sagt Klaus.

Und wie lässt sich der Kreislauf wieder in Schwung bringen? An erster Stelle stehen viel Bewegung und eine vernünftige Ernährung - viel Obst und Gemüse, aber auch Hühnersuppe und Fleischbrühe. «Man muss auf genug Flüssigkeit kommen», sagt Grebe. Patienten mit niedrigem Blutdruck können auch ruhig stärker salzen - schließlich wird dadurch mehr Flüssigkeit im Körper gebunden, und der Blutdruck steigt. Grebe empfiehlt zudem Wechselduschen, Wassergymnastik und «sehr viel Schwimmen»: «Diese Dinge helfen wahnsinnig gut.»

Ein Aufenthalt in klimatischen Reizzonen, etwa an der Nordsee oder im Hochgebirge, sei ebenfalls empfehlenswert, betont Klaus. «Und schon vor dem - langsamen - Aufstehen sollte man ein Glas Wasser trinken.» Wenn all diese Maßnahmen nicht ausreichen, können Grebe zufolge Medikamente den Kreislauf ankurbeln - zum Beispiel Tropfen, die sehr schnell wirken. «Alles unter einem Blutdruck von 90 zu 60 würde ich medikamentös unterstützen.»

Dauerstress kann einen niedrigen Blutdruck noch weiter absinken lassen. «Eigentlich wird der Blutdruck durch negativen Stress angehoben, weil sich dann die Gefäße verengen - aber wenn man dauernd Stress hat, versagt diese Rettungsfunktion des Körpers», erläutert Grebe. Sein Tipp: «Man sollte versuchen, den negativen in positiven Stress umzuwandeln - indem man wieder Freude am Leben hat.»


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