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Stichwörter: RauchenEssstörungen
Wednesday, 14. November 2007

Rauchen statt Essen: Der Schlankheitswahn und die Zigarette

Berlin (dpa) - Der Weg zum Model ist derzeit ein beliebtes Thema bei jungen Mädchen. Angesichts des Trends zum Schlankheitswahn besteht nach Ansicht von Medizinern nicht nur die Gefahr von Essstörungen, sondern auch von Nikotinabhängigkeit.


Schülerin mit Kippe: Viele Mädchen rauchen, um nicht zuzunehmen. (Bild: dpa)

Berlin (dpa) - Der Weg zum Model ist derzeit ein beliebtes Thema bei jungen Mädchen. Angesichts des Trends zum Schlankheitswahn besteht nach Ansicht von Medizinern nicht nur die Gefahr von Essstörungen, sondern auch von Nikotinabhängigkeit.

Unter den rauchenden Mädchen sind es nämlich fast zwei Drittel, die mit ihrem Körper nicht zufrieden sind, ergab eine Studie des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord), die mit der Universität Kiel zusammenarbeitet. Deshalb ist eine bessere Figur auch für 41 Prozent der Mädchen Grund genug, um zu rauchen. Mehr als ein Drittel gibt der Zigarette gar den Vorzug vor dem Essen.

«Mädchen rauchen doppelt so häufig wie Jungen, um nicht zuzunehmen», sagt der Suchtbeauftragte des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Wolf-Rüdiger Horn. Der Drogenexperte macht deutliche Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Jugendlichen bei den Rauchgewohnheiten aus: Knapp 19 Prozent der Jungen raucht nach eigenen Angaben jeden Tag, bei den Mädchen sind es nur 13 Prozent. Starke Raucher finden sich ebenfalls eher unter den Jungen. Auch die erste Zigarette des Tages wird bei den männlichen Schülern deutlich früher nach dem Aufstehen geraucht als bei den weiblichen.

Mehr als die Hälfte der Mädchen, die rauchen, macht sich Sorgen um das Gewicht. Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) wollte wissen, ob die Unzufriedenheit mit der Figur berechtigt ist. Sie untersuchte den so genannten Body-Mass-Index (BMI) der Mädchen, der sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Zentimeter errechnet. 92 Prozent von ihnen hatten demnach jedoch ein Normalgewicht. «Die Sorgen und Nöte der Mädchen sind zumindest aus medizinischer Sicht somit nicht haltbar», sagt der Leiter der DAK für Leistungen, Klaus Spörkel.

Die Deutsche Krebshilfe schlägt angesichts der Studie Alarm. Die Präsidentin Dagmar Schipanski fordert ein schärferes Tabakwerbeverbot, eine höhere Tabaksteuer, rauchfreie öffentliche Gebäude und die Abschaffung der Zigarettenautomaten. Eines wollen Bund und Länder bald umsetzen: Der Bundestag debattiert am Freitag kommender Woche über den Regierungsentwurf für ein Rauchverbot in Bundesbehörden, öffentlichen Verkehrsmitteln und ein Verbot der Tabakabgabe an Jugendliche. Dies gilt nicht als strittig. Die Länder wollen das Rauchen in Schulen, Behörden, Gaststätten und Discotheken verbieten, wenn auch mit Ausnahmen für kleine Lokale und Bierzelte in einigen Ländern.

Die Kinder- und Jugendärzte begrüßen, dass Discotheken bald komplett rauchfrei sein sollen. Sie halten die geplanten Ausnahmen für Eckkneipen oder kleine Lokale aber nicht für ausreichend. Denn jugendliche Raucher greifen auch gern zum Glas, bis hin zum «Koma-Trinken». Fast zwei Drittel der rauchenden Jugendlichen betrinkt sich laut der DAK-Studie bewusst.


 

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