Junge Cannabis-Konsumenten: Suchtberatung muss umdenken
Hamburg (dpa/lno) - Die wachsende Zahl junger Cannabis-Konsumenten in Deutschland erfordert nach Ansicht des Leiters der Drogenambulanz am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ein Umdenken in der Suchtberatung.

Das Angebot der traditionellen Suchtberatung ist laut Experten nicht für junge Cannabis-Konsumenten geeignet. (Bild: dpa)
«Die klassische Suchtberatungsstelle, zu der auch 30-jährige Heroin-Junkies oder 50-jährige Alkoholiker gehen, schreckt die jungen Leute ab», sagte Prof. Rainer Thomasius.
Das Angebot der traditionellen Suchtberatung sollte Thomasius zufolge jedoch nicht abgebaut, sondern durch mehr Aufmerksamkeit für die Jugendlichen erweitert werden. «Die neuen Konsumenten erreicht man nur, wenn es ein spezielles Angebot gibt», betonte er.
Das Einstiegsalter für den Erstkonsum von Cannabis sei im vergangenen Jahrzehnt von 17 auf durchschnittlich 15 Jahre gesunken. «In Großstädten liegt es bei 14 Jahren, bei problembelasteten Kindern bei zwölf oder 13 Jahren», sagte Thomasius. Jeder Zwanzigste der 18 bis 24-jährigen in Deutschland habe eine behandlungsbedürftige Störung wegen Cannabiskonsums. In den Drogenambulanzen ist die Zahl der jungen Cannabis- und der Mischkonsumenten, die neben Cannabis auch noch Alkohol, Amphetamine oder Kokain nähmen, laut Thomasius «um den Faktor 10 gestiegen».
Als Resultat aus der wachsenden Zahl junger Drogenkonsumenten sieht der Mediziner eine Einbeziehung der Familie in die Therapie. Die traditionelle Drogenberatung habe sich von den Familien der Ratsuchenden abgegrenzt. «Wir müssen viel mit den Familien arbeiten», betonte Thomasius. Die Mitarbeiter der Suchtberatungen müssten sich auch sehr gut auskennen mit Entwicklungspsychologie und -pathologie.
Ziel der Behandlung sei zunächst, eine Einsichtsfähigkeit zu schaffen, die selten bereits vorhanden sei. «Bei einem Großteil ist es schon so, dass sie eher einem Druck folgen, etwa von den Eltern», sagte Thomasius. Ein Teil der Hilfesuchenden spüre aber auch selbst «einen Leidensdruck, weil sie den Anforderungen in der Schule oder bei der Arbeit nicht gerecht werden.»
Thomasius kritisierte Defizite in der Zusammenarbeit von Suchtberatungen verschiedener Anbieter und unterschiedlicher Ausrichtung. «Es gibt immer wieder Brüche in der Hilfestellung,», sagte er. «Da ist nach wie vor viel zu tun.»
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