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Auswirkungen von chronischen Schmerzen auf die Psyche

Die Schmerzen begannen nach der Geburt ihres Sohnes. Susanne M. litt mit 29 Jahren unter unerträglichen Rückenschmerzen, sie konnte ihr Kind nicht tragen, fühlte sich praktisch bewegungsunfähig.


Eine eingehende Untersuchung brachte die Ursache ans Licht: Susanne M. hatte Osteoporose. Bei der Geburt ihres Sohnes erlitt sie mehrere Wirbelbrüche. „Durch die andauernden Schmerzen fühlte ich mich wie aus dem Leben gerissen“, sagt die junge Frau.

Chronische Schmerzen – rund acht Millionen Menschen leiden in Deutschland darunter. Besonders Kopf-, Kreuz- und Rückenschmerzen, aber auch Muskel- und Knochenschmerzen, können sich zu einer eigenständigen Schmerzkrankheit entwickeln. Die tägliche Schmerzbelastung belastet die Patienten psychisch schwer. Und spätestens wenn Tabletten nicht mehr helfen, verzweifeln viele und geben sich auf. Doch was genau sind eigentlich chronische Schmerzen und wieso fühlen sich Betroffene oft dadurch ihres Lebens beraubt?

 

Wann werden Schmerzen chronisch?

Schmerzen sind eigentlich Alarmzeichen des menschlichen Körpers. Wenn mit diesem etwas nicht stimmt, warnen uns die Schmerzen vor der Bedrohung und zwingen uns etwas dagegen zu unternehmen. Bei vielen Menschen haben die Schmerzen jedoch diese Warn- und Schutzfunktion verloren. Überdauern Schmerzen einen Zeitraum von etwa 6 Monaten – ein Zeitraum, in dem Schmerzen eigentlich abklingen sollten – bezeichnet man diese als chronische Schmerzen, bzw. als chronisches Schmerzsyndrom.

 

Ursachen der chronischen Schmerzstörung

Chronische Schmerzen entstehen aus verschiedenen Gründen. Zum einen lassen sich Schmerzen auf körperliche Ursachen zurückführen, die nicht geheilt werden können und ständig Schmerzen erzeugen. Beispiele dafür sind Schmerzen, die durch chronisch entzündliche Erkrankungen wie Rheuma auftreten oder mit Krebserkrankungen einhergehen.

Oft werden chronische Schmerzen zwar durch eine körperliche Ursache ausgelöst, bestehen jedoch weiter, nachdem die Ursache beseitigt wurde. Denn der Mensch kann sich ein so genanntes Schmerzgedächtnis bilden. Schmerzerfahrungen werden an mehreren Stellen des zentralen Nervensystems abgespeichert und Schmerzimpulse werden somit weiter gesendet, auch wenn eigentlich kein Grund mehr dafür besteht.

Weiterhin kann die Ursache für eine Schmerzstörung nicht im körperlichen, sondern im psychischen Bereich liegen. Wenn emotionale und psychosoziale Belastungen Auslöser der anhaltenden Schmerzen sind, spricht man von einer somatoformen Schmerzstörung (ASS).

 

Wenn der Alltag zur Qual wird

Menschen mit chronischen Schmerzen sind starken psychischen Belastungen ausgesetzt. Die ständigen Qualen begleiten sie täglich und schränken ihre Lebensqualität ein. Sie erleben selbst alltägliche Dinge wie Waschen, Anziehen, Bücken, Sitzen, Stehen oder Gehen als Qual. Viele leiden aufgrund der massiven Schmerzbelastung unter Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit und Erschöpfung. Schmerzpatienten können oft nicht mehr ihren Beruf ausüben und fühlen sich dadurch in ihrer Existenz bedroht. Sie müssen auf Selbstbestätigung durch beruflichen Erfolg, einen geregelten Tagesablauf und soziale Kontakte verzichten. Im Mittelpunkt ihres Lebens steht der Schmerz. Ein unbeschwertes normales Leben ist ihnen nicht möglich. Häufig verspüren sie deshalb Wut und Einsamkeit, verlieren jede Lebensfreude und entwickeln schwere Depressionen. 

Die Betroffenen versuchen natürlich auch, mit allen Mitteln ihre Schmerzen zu lindern und eine Kontrolle über ihr Schmerzempfinden zu erhalten. Doch wenn Ihnen dies nicht gelingt, geben sie sich erst recht den Gefühlen von Hilf- und Hoffnungslosigkeit hin. Viele suchen im Selbstmord ihren Ausweg aus der Schmerzfalle.

 

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