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Stichwörter: SexErotik
Wednesday, 9. April 2008

Nach vielen Jahren: Große Nähe - mieser Sex

Essen (dpa/tmn) - Nach vielen Beziehungsjahren verstehen sich die meisten Paare fast blind. Gewachsen sind das Vertrauen und die Nähe. Alles gut, könnte man meinen. Und doch belastet viele Paare die Frage: Wo sind Leidenschaft und Erotik geblieben?


Frust im Bett: Glaubt ein Partner, alles vom anderen zu wissen, wird Sex schnell zur Routine. (Bild: Diagentur Stolt/dpa/tmn)

Irgendwann scheinen sie verschwunden zu sein. Stattdessen bestimmt sexuelle Langeweile die Zweierbeziehung. Eine ganz normale Entwicklung, sagen Experten. «Die meisten Paare tappen im Laufe der Jahre in die Harmoniefalle», erklärt Rüdiger Wacker, Diplom-Psychologe und Paartherapeut aus Essen. Während die Zeit des großen Verliebtseins davon geprägt ist, dass sich beide nach und nach entdecken, glauben langjährige Beziehungspartner, bereits alles voneinander zu wissen - auch im Bett. «Und so werden immer die gleichen Knöpfe gedrückt, weil man glaubt, dass das dem Partner schon gefällt.» Doch das Bewährte wird irgendwann langweilig.

«Das sexuelle Repertoire sinkt, aus Reiz wird Routine», erklärt auch Ragnar Beer, Leiter des Partnerschaftsprojekts Theratalk der Universität Göttingen. Frust statt Lust erobert das Bett, Unsicherheiten entstehen. «Viele trauen sich nicht, mit ihrem Partner über ihre sexuellen Wünsche zu reden.» Doch das Schweigen verschärft auf Dauer nur die Situation. «Sprechen Sie offen über ihre Wünsche und Vorstellungen», rät Wacker.

Ein Allheilmittel für die Liebe ist das Gespräch aber nicht. «Oft steckt mehr dahinter», sagt Volker van den Boom, Sexualtherapeut aus Aachen. Wichtig sei deshalb, hinter die Kulisse der Partnerschaft zu schauen. «Oft ist eine Kette von kleinen Verletzungen und Missverständnissen die Folge des sexuellen Rückzugs.»

Auch Rüdiger Wacker sieht im Sex einen Indikator für die Partnerschaft: «Fragen Sie sich ehrlich, wie Sie im Alltag miteinander umgehen.» Bei vielen Terminen, mangelnder Zeit oder großer Belastung geben sich Paare häufig die Klinke in die Hand und fallen abends auf dem Sofa statt übereinander nur müde nebeneinander. «Da bleiben Zärtlichkeiten auf der Strecke.» Doch ohne die kleinen Liebesbekundungen im Alltag verliert die Beziehung sinnliche Erlebnisse. Wer glaubt, bei solch einem Alltag abends großartigen Sex zu haben, wird in der Regel enttäuscht.

Für guten Sex braucht es vor allem eines: Begeisterung. «Rufen Sie sich wach, was Sie an Ihrem Partner so toll finden», rät Wacker. Denn die Zeit des Verliebtseins ist geprägt von uneingeschränkter Begeisterung, die Lust auf Liebe macht. Genauso wichtig ist das ehrliche Interesse am anderen. Das zeigt sich schon an Kleinigkeiten. «Fragen Sie Ihren Partner, wie sein Tag war, hören Sie zu und schenken Sie Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit», sagt van den Boom.

Auch wenn der sexuelle Frust groß ist, gilt es fair zu bleiben. «Geben Sie niemals Ihrem Partner allein den Schwarzen Peter für die Entwicklung, denn es gehören immer zwei dazu», sagt Wacker. Wer Schuldzuweisungen macht und dem Partner ständig die eigene Unzufriedenheit vorhält, erzeugt Druck. «Das ist Gift für die Liebe, an Sex ist dann bald gar nicht mehr zu denken.»

Literatur: Ulrich Clement: Guter Sex trotz Liebe, Ullstein, ISBN: 987-3-550-07877-4, 18 Euro; Pierre Franckh: Lustvoll Lieben. 7 Regeln für erfüllten Sex, Koha, ISBN: 978-3936862706, 12,95 Euro

INFO: Sex ist bei vielen Paaren ein seltenes Ereignis

Wer mit seinem Partner schon vier Wochen lang keinen Sex mehr hatte, ist in guter Gesellschaft. Denn 17 Prozent der deutschen Paare geht es genauso. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Projektes Theratalk der Universität Göttingen. An der Studie nahmen 13 483 Männer und Frauen teil, deren Beziehungsdauer von frisch verliebt bis zur Goldenen Hochzeit reichte. 57 Prozent der befragten Paare gaben an, maximal einmal pro Woche Sex zu haben. Die berühmten zwei bis dreimal pro Woche schaffen laut der Göttinger Umfrage nur 28 Prozent der Paare.


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