Sexualität im Alter: Über Handicaps nicht schweigen
Hamburg (dpa/tmn) - Alle schweigen: Ärzte reden nicht darüber, die Betroffenen schämen sich - und ihre Partner fürchten, zu verletzen oder selbst verletzt zu werden. Im höheren Alter verändert sich die Sexualität, auch können Krankheiten das Liebesleben beeinflussen.
Hamburg (dpa/tmn) - Alle schweigen: Ärzte reden nicht darüber, die Betroffenen schämen sich - und ihre Partner fürchten, zu verletzen oder selbst verletzt zu werden. Im höheren Alter verändert sich die Sexualität, auch können Krankheiten das Liebesleben beeinflussen.
«Reden Sie über Ihre Scham und Angst. Sie werden erstaunt sein, wie positiv Ihr Partner darauf reagiert», rät Prof. Wolfgang Berner, Leiter des Instituts für Sexualforschung der Universität Hamburg.
Mit steigendem Alter verändert sich der Körper: Die Haut wird schlaffer, die Muskelkraft nimmt ab - und auch die Sexualität wandelt sich. Beim Mann werden Erektionen seltener, gelegentliche Impotenz ist normal, erklärt Kirsten von Sydow, Diplom-Psychologin der Universität Hamburg. Bei Frauen wird die Haut der Scheide nach den Wechseljahren dünner und empfindlicher. Außerdem ist die Scheide trockener.
Daneben hat eine Vielzahl von Krankheiten Auswirkungen auf die Sexualität. Diabetes oder Bluthochdruck führen zu einer Verengung der Blutgefäße - Erektionsstörungen sind eine mögliche Folge, heißt es in der Broschüre «Sexualität und Älterwerden» von Pro Familia. Erektionsprobleme können auch auftreten, wenn die Prostata vergrößert ist oder wegen eines Tumors entfernt wurde.
Frauen hadern oft mit ihrem Körper, insbesondere wenn sie Narben haben oder ihnen nach einer Krebsoperation eine Brust abgenommen wurde. «Manchen Frauen trauen sich dann nicht mehr, sich ihrem Partner zu zeigen», sagt Annette Baumann-Nitsche, Pro Familia-Beraterin in Mannheim.
Auch die Psyche ist wichtig. Manche Männer verzichteten nach einem Herzinfarkt auf Sex - aus Angst sich zu übernehmen. Frauen, die Probleme mit der Kontinenz haben, vermieden Sex, weil sie fürchten, die Blase könnte nicht dicht halten. «Dabei ließe sich mit gezieltem Training einiges dagegen tun», sagt die Beraterin.
Da auch Ärzte das Thema selten ansprechen, wissen viele Patienten gar nicht, warum es plötzlich im Bett nicht mehr klappt. Was folgt sind Scham und Angst - und vertrackte Situationen. «Männer mit Erektionsproblemen vermeiden häufig alles, was dazu führen könnte, dass sie mit ihrem Partner Sex haben», erzählt Michael Berner, Psychiater und Psychotherapeut am Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit (ISG) bei der Uniklinik Freiburg. Zärtlichkeit und Körperkontakt bleiben auf der Strecke.
Damit nicht am Ende die Beziehung auf der Strecke bleibt, hilft nach Ansicht der Experten nur eins: Reden! Annette Baumann-Nitsche übt diese Gespräche im Rollenspiel: «Ich frage: Wie könnten Sie Ihr Problem dem anderen deutlich machen? Und dann: Was könnte der andere erwidern?»
Oft sei die Angst davor viel schlimmer als das eigentliche Gespräch. «Wir bekommen oft die Rückmeldung, dass der Partner sehr entspannt damit umgegangen ist», schildert Michael Berner. «Hättest du mir doch nur früher gesagt, dass es das ist, was dich so belastet», sei eine häufige Antwort. Und Baumann-Nitsche rät, nicht vorschnell mit der Sexualität abzuschließen. «Überlegen Sie lieber, ob es nicht auch andere Formen gibt - etwa nebeneinanderzuliegen und sich zu liebkosen.»
Informationen: Das Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit in Freiburg betreibt ein Beratungstelefon, Telefon: 0180/555 84 84 (für 12 Cent pro Minute)
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