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Gewalt gegen Kinder

Gewalt gegen Kinder - Auswirkungen auf deren Psyche

„Mutter warf Kind aus dem 10. Stock“ - Schlagzeilen über Gewaltverbrechen an Kindern rufen überall Fassungslosigkeit und Empörung hervor. Allerdings sind sie aber wohl nur der drastischste Ausdruck von alltäglicher Gewalt gegen Kinder.


Studien zeigen, dass immer mehr Eltern in Deutschland sich für eine gewaltfreie Erziehung von Kindern und Jugendlichen aussprechen. Trotzdem hielten bis vor kurzem immer noch 60 Prozent der Eltern in Deutschland „Leichte Ohrfeigen“  für eine geeignete Erziehungsmaßnahme. „Ein Klaps auf den Hintern“ hat noch nie jemanden geschadet, hört man häufig. Vielen rutscht auch aus Versehen die Hand aus. Sie bereuen es dann hinterher zwar, doch bei der nächsten Konfliktsituation passiert es ihnen wieder.

Klaps, Haue, Abreibung oder Dresche – für körperliche Gewalt haben Menschen schon immer so etwas wie Kosenamen gefunden, die Gewaltanwendung rechtfertigen sollen. Doch egal wie Menschen es nennen: Gewalt bleibt Gewalt. Und unabhängig davon, wie man es begründet, Gewalt gegen Kinder hat die gleiche Auswirkung wie Gewalt gegen Erwachsene. Kinder leiden genauso unter Angst, Wut, Scham, Verzweiflung, tiefer Verletztheit, Minderwertigkeits- und Schuldgefühlen. Gewalt  führt zu psychischen Konflikten, die  die Persönlichkeitsentwicklung der betroffenen Kinder  massiv behindern. Ihre psychischen Konflikte äußern viele später ebenfalls durch Gewalt.

 

Wer geschlagen wird, schlägt selbst

In einer Studie zur Umsetzung des Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung, die das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchführte, konnte der enge Zusammenhang zwischen jugendlichem Gewaltverhalten und familialer Gewalterfahrung gezeigt werden: Wer Gewalt erfährt, neigt eher dazu, selbst Gewalt auszuüben.

Jeder dritte Jugendliche mit einer gewaltbelasteten Erziehung berichtete über eine eigene leichte Gewalttätigkeit - dies war im Vergleich dazu nur bei jedem 15. Jugendlichen mit einer körperstrafenfreien Erziehung der Fall. Jeder vierte, der selbst Gewalt erfahren hatte, schlug andere mit Fäusten; jeder fünfte hat jemanden verprügelt. Unter gewaltfrei Erzogenen gaben dies nur jeweils 7 bzw. 6 Prozent an. Die eigene Gewalttätigkeiten, aggressives Verhalten und mangelnde Konfliktfähigkeit führten bei jugendlichen Gewalttätern dazu, dass sie doppelt so häufig wie andere selbst Opfer von Gewalt wurden.

 

Seelische Gewalt

Zur Gewalt zählt aber nicht nur körperliche Züchtigung. Kinder erleben viel häufiger seelische Gewalt, deren psychische Folgen so schwer sind, wie die Folgen körperlichen Misshandlung.

Seelische Gewalt erleidet ein Kind unter anderem, wenn es das Gefühl hat, nicht geliebt zu werden. Viele Eltern sind sich gar nicht bewusst, dass ihr Kind mehr Zuwendung und Zärtlichkeiten benötigt. Viele Eltern demütigen und verspotten ihr Kind auch durch unbedachte Worte, die teilweise verletzender sind als körperliche Strafen. Andere maßregeln ihr Kind absichtlich durch Liebesentzug oder knüpfen ihre Liebe an Bedingungen.

 

Warum gewaltfrei erziehen sinnvoller ist

“Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg´ auch keinem anderen zu”, heißt ein weises Sprichwort. Auch Eltern sollten dies auch im Umgang mit ihren Kindern beherzigen. Ihnen ist meistens klar, dass sie mit Schlägen oder auch mit scharfen Worten ihr Kind demütigen. Doch sie selbst möchten doch auch nicht von anderen herabgesetzt werden.

Außerdem sollten Eltern sich einmal fragen, warum sie ihre körperliche und geistige Überlegenheit gegen ihr schwächeres, hilfloses und auf Liebe angewiesenes Kind einsetzten. Ist es eine wirkliche Hilfe für das Kind? Oder ist es nicht eigentlich ein Eingeständnis für die eigene Ohnmacht, ein sich nicht anders zu helfen wissen? Gewalt als Erziehungsmaßnahme bewirkt meistens nur, dass Kinder aus Angst bestimmte Dinge nicht mehr tun. Doch eigentlich sollten sie ihr Verhalten ändern, weil sie ihre  falsche Handlung einsehen. Ein gutes Beispiel ist die Bestrafung von schlechten Schulleistungen. Bekommen Kinder vielleicht durch Schläge bessere Noten?

Eltern müssen sich daher Zeit nehmen, mit ihren Kindern zu sprechen. Sie können ihnen dabei erklären, welches Benehmen sie von ihnen erwarten oder warum Kinder bestimmte Dinge tun dürfen und andere wiederum nicht. Es fordert manchmal sicher viel Kraft von Eltern, immer wieder das Gespräch mit dem Kind zu suchen – aber es zahlt sich aus. Durch eine gute Kommunikation mit den Kindern, wissen Eltern auch immer, was ihre Kinder im Herzen bewegt. So können sie ihren Kindern helfen, bevor es überhaupt zu Krisen kommt. Sie entdecken auch schneller, warum ihre Kinder trotzig oder wütend reagieren und nicht das tun, was man von ihnen möchte.

Für die Entwicklung der Kinder ist eine Erziehung wichtig, die ihre Entwicklung fördert und sie zu starken Persönlichkeiten formt. Durch eine gewaltfreie Erziehung, lernen Kinder, dass Respekt vor dem anderen wichtig ist und dass Konflikte auch gewaltfrei zu bewältigen sind. Sie erkennen, dass sie ohne Angst Auseinandersetzungen austragen können und auch, dass es möglich ist, eigene Entscheidungen zu treffen – auch wenn diese anderen nicht gefallen.

Quelle: PM bmj.bund

 

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