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Psychisch kranke Eltern

Therapiemöglichkeiten

Einmal in Gang gesetzt, lässt sich die Spirale nur schwer stoppen. Schon zweijährige Kinder von psychisch kranken Eltern haben deutlich mehr seelische Probleme als Gleichaltrige.


Dies wirkt sich später in Form sehr unterschiedlicher kinder- und jugendpsychiatrischer Auffälligkeiten wie Schulschwierigkeiten, aggressiven Schüben, Einnässen und Nägelkauen aus. Die Symptome sind oft Ausdruck schwer wiegender Störungen in den Beziehungen zu anderen Menschen und im Selbstwertgefühl.

Ziel der verschiedenen Behandlungsansätze im UKE ist es, den Bedürfnissen der Kinder gerechter zu werden und sie davor zu schützen, später selbst psychisch zu erkranken. "Besser früh betreuen als spät behandeln" lautet denn auch das Motto von Christiane Deneke. Zunächst einmal gilt es, die Eltern von ihrem Alltagsstress zu entlasten und Hilfe für zu Hause zu organisieren. Pflegekräfte unterstützen allein erziehende Mütter im täglichen Umgang mit ihren Kindern. Sie versuchen, ihnen ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie sie die Signale ihrer Kinder frei von krankheitsbedingten Verzerrungen aufnehmen und entsprechend reagieren können. Eine Eltern-Kind-Psychotherapie sowie Paar- und Familiengespräche runden das Angebot für die Erwachsenen ab.

 

Gesprächs- und Kontaktgruppen

Kinder fühlen sich besonders in den Gesprächs- und Kontaktgruppen des vom UKE initiierten und begleiteten, vom Verein "SeelenNot" getragenen Auryn-Projekts wohl. In altersmäßig zueinander passenden Kleingruppen treffen sich die Sechs- bis 16-Jährigen einmal wöchentlich, um miteinander über Erlebnisse und Emotionen zu sprechen oder einfach nur unbeschwert miteinander zu spielen. Viele Kinder erfahren hier zum ersten Mal, dass sie nicht allein mit ihren Problemen sind. Im Gespräch mit erfahrenen Kindertherapeutinnen werden ihnen altersgerechte Informationen über die Erkrankungen ihrer Eltern vermittelt. Außerdem lernen sie Strategien, die sie vor eigenen psychischen Beeinträchtigungen schützen sollen. "Die Erfahrung mit Auryn zeigt, dass die Kinder freier werden und aus ihrer Isolation heraustreten. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein und die persönliche Entwicklung nachhaltig", erklärt Christiane Deneke.

Auch Mark hat von den Beratungs- und Betreuungsmöglichkeiten im UKE profitiert. Musste Dr. Deneke ihn zu Beginn der Therapie zu Hause besuchen, weil seine Angst vor der Klinik zu groß war, gewann er zusehends Vertrauen. Auch seine Mutter ließ sich regelmäßig beraten. Mark ist heute, mit knapp acht Jahren, zwar noch ängstlicher als Gleichaltrige. Doch er lebt wieder mit seiner Mutter in einer eigenen Wohnung zusammen, geht zur Schule, hat Freunde - und eine gute Perspektive. Dr. Deneke: "Die frühzeitige Betreuung hat ihm sehr gut getan. Aller Voraussicht nach kann er später ein ganz normales Leben führen."

 

Kurzinformationen

  • Nur ein Viertel der Sechs- bis Zehnjährigen und die Hälfte der Zehn- bis 14-Jährigen wissen überhaupt, dass die Probleme ihrer Eltern durch eine Krankheit zu erklären sind. Die meisten spüren nur, dass etwas nicht stimmt.
  • Die Erkrankung der Eltern wird von den meisten Familien verschwiegen und tabuisiert. Die Eltern haben Angst, dass ihnen die Kinder weggenommen werden, wenn ihr Zustand öffentlich wird; die Kinder schweigen meist instinktiv und weil sie Vater oder Mutter nicht "verraten" wollen.
  • Die soziale Situation der Betroffenen ist in aller Regel schlecht. Oft verlässt der Mann die Familie, wenn die Frau erkrankt. Besonders größere Kinder übernehmen mehr Verantwortung, als es ihrem Alter entspricht. Sie kümmern sich um Haushalt und jüngere Geschwister, vergessen sich dabei selbst.
  • Erkrankte Eltern können zur Gefahr für ihren Nachwuchs werden: 40 Prozent aller Kindesmisshandlungen geschehen an Säuglingen unter einem Jahr. "Hier spielen auch Suchtproblematiken und allgemein gewalttätige Familienverhältnisse eine Rolle. Doch bei seelisch Kranken ist die Gefahr, dass sie in ihrer Überforderung ihre Kinder misshandeln, deutlich erhöht", sagt Dr. Deneke.
  • Die Spezialambulanz im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (040/42803-2215) nimmt jährlich etwa 100 neue Familien auf.
  • Beratungstelefon des Vereins "SeelenNot" : 040/3910-9050  

Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Uwe Groenewold

 

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