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Psychische Entwicklung von Scheidungskindern

Bis dass der Tod uns scheidet..." gilt schon lange nicht mehr als allein denkbares Ende einer Beziehung. In Deutschland geht etwa jede dritte Ehe in die Brüche, was besonders für die Kinder aus diesen Beziehungen weit reichende Folgen hat.


Die gesamte Lebenssituation der Kinder verändert sich dramatisch. Sie müssen nicht nur die Trennung der Eltern verkraften, sondern in der Folgezeit oft auch mit neuen Partnern ihrer Eltern zurechtkommen. Wohnungs- und Schulwechsel, materielle Einschränkungen, Besuchsregelungen und vieles mehr müssen sie verkraften. Damit einhergehen Wut, Trauer, Scham, Angst und Schuldgefühle.

Noch vor kurzem vermutete man zwangsläufig Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Scheidungskindern. Mittlerweile ist klar, dass eine geschlossene Familie nicht automatisch eine heile Familie ist. Auch in Ideal-Familien läuft nicht alles rund und sie sind keine Garantie dafür, dass Kinder sich gesund entwickeln. Studien zeigen auch, dass weniger die Familienstruktur als vielmehr die Qualität der Beziehungen ausschlaggebend dafür ist, ob die Kinder zu stabilen Persönlichkeiten heranwachsen.

Dennoch dürfen die Auswirkungen, die Elterntrennungen auf die Kinder haben können, nicht ignoriert werden. Wissenschaftliche Untersuchungen beweisen: Mehr als die Hälfte der Kinder leiden nach einer Trennung oder Scheidung unter erheblichen und vielfältigen Symptomen, wie etwa psychosomatischen Beschwerden, emotionaler Labilität, Schlafstörungen, Leistungsabfall und Kontaktängsten. Diese Symptome waren in vielen Fällen auch noch nach 3-6 Jahren zu beobachten. In manchen Fällen zeichnen sich Belastungen erst im Lauf der Zeit ab.

 

Im Alltag Stärke, Routine und Stabilität vermitteln

Viele Eltern fragen sich, ob sie sich scheiden lassen dürfen. Denken sie an die Entwicklung ihres Kindes, beginnen sie an der Richtigkeit ihres Entschlusses zu zweifeln. An einer einmal zerrütteten Ehe festzuhalten, macht in der Regel keinen Sinn. Die Atmosphäre eines solchen Zuhauses ist für Kinder Gift. Wichtiger ist es, seinen Kindern in der Phase der Scheidung die richtige Stütze zu sein. Genau wie die Erwachsenen können die Kinder ihre Gefühle kontrolliert durchleben und es schaffen, ihre Verzweiflung, Trauer und Wut zu bewältigen. Ein stabiles, faires, verlässliches, ehrliches und harmonisches Umfeld ist dafür aber wichtig. Die Entwicklung des Kindes wird davon maßgeblich geprägt. Wenn eine Trennung unumgänglich ist, müssen Eltern für ein solches Umfeld sorgen und ihnen damit feste Werte bieten, an denen sie sich orientieren können.

 

Gefühle des Kindes ernst nehmen

Um den Kindern zu helfen, ist es für Eltern wichtig, dass sie verstehen, was ihre Kinder fühlen. Ihre Gedanken und Reaktionen dürfen nicht ignoriert werden. Dass Eltern nicht mehr zusammen leben können oder wollen, ist für die Kinder oft nicht verständlich und interessiert sie wenig. Für sie ist einfach eine geliebte Person – eine wichtige Bezugsperson – nicht mehr bei ihnen. Einige reagieren aggressiv auf das Elternteil, welches sie ihrer Meinung nach, im Stich gelassen hat. Oft geben sich die Kinder auch selbst die Schuld daran. Eltern sollten ihre Kinder entsprechend ihres Alters über ihre Trennung informieren. Sie können ihnen erklären, warum Mama und Papa nicht mehr zusammen leben können und dabei betonen, dass auf keinen Fall die Kinder schuld daran sind.

 

Beziehungen nicht zerstören

Der psychische Druck auf die sich trennenden Eltern lastet schwer. Einige Mütter oder Väter sind so verletzt oder wütend über den Expartner, dass sie vergessen, dass Kinder beide Elternteile lieben. Wenn Eltern ihren eigenen Frust bei ihrem Kind ablassen, den Partner schlecht machen, fühlen sich die Kinder noch verzweifelter. Sie verstehen gar nicht, warum Papa oder Mama plötzlich böse sein soll. Einige Eltern erwarten sogar, dass ihr Kind Partei ergreift und setzten ihr Kind damit unter enormen psychischen Druck. Einige Kinder entwickeln zudem Aggressionen, besonders wenn Eltern einen Rosenkrieg aufführen und miteinander verletzend umgehen.

Eltern sollten ein neutrales und realistisches Bild von ihrem Expartner vermitteln, mit diesem zusammen arbeiten und die Kinder (so gut es geht) weiterhin gemeinsam erziehen. Sie können sich auch bemühen, die Welt Ihrer Kinder so wenig wie möglich zu verändern und ein verlässliches und soziales Beziehungsnetz schaffen, indem sie Großeltern, Freunde und Verwandte – auch die des Expartners – mit einbeziehen.

 

Unterstützung holen

Kinder und ihre Familien brauchen in dieser Zeit des Umbruchs Unterstützung und Entlastung. In speziellen Therapien können betroffene Kinder lernen, ihre Gefühle bezüglich der Trennung ihrer Eltern auszudrücken und neue Formen der Bewältigung zu finden. Sie bekommen Informationen über Trennung und Scheidung und erfahren, dass auch andere Kinder betroffen sind und wie diese damit umgehen. So können sie neue Freiräume für ihre eigene Entwicklung gewinnen. Die Eltern werden darin unterstützt, Reaktionen ihrer Kinder besser zu verstehen und werden in ihren (neuen) Elternrollen gestärkt. Die Kosten für die therapeutische Unterstützung der Trennungsfamilien werden meistens von der Krankenkasse übernommen.

Quellen: PM Uni Köln, Ludwig-Maximilians-Universität zu München, Added Life Value (pA)

 

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